Zu schön, um wahr zu sein! Kitsch und Pop aus der Sammlung Klewan

18.07.2026 - 18.10.2026

Die von Dr. Marion Bornscheuer kuratierte Ausstellung im MMK Passau stellt anhand von fast 200 Exponaten aus der renommierten Sammlung Klewan eine der grundlegendsten Fragen der Kunst neu: Warum berühren uns bestimmte Bilder, und warum wird genau diese Wirkung so oft abgewertet?

Kitsch ist allgegenwärtig, aber kaum eindeutig definiert. Zwischen Gefühl und Urteil, zwischen Nähe und Ablehnung entsteht ein Spannungsfeld, das die Ausstellung bewusst offenlegt. Zugleich folgt die Schau der Logik der Sammlung Klewan, die sich seit Jahren mit Bildwelten zwischen Alltag, Wiederholung und populärer Kultur beschäftigt.
Im Zentrum stehen Werke des 19. Jahrhunderts: idyllische Landschaften, religiöse Motive, moralische Erzählungen u.v.m. Es sind Bilder, die nicht für Museen geschaffen wurden, sondern für Wohnzimmer und öffentliche Räume. Sie sollten unmittelbar wirken und bedienten sich dazu einer verständlichen, emotionalen Bildsprache.
Doch genau diese Wirkung wurde zum Problem. Durch massenhafte Verbreitung und serielle Produktion verloren viele dieser Motive ihren Status als „einzigartig“. Was einst als wertvoll galt, konnte später als kitschig erscheinen.
Die Ausstellung verfolgt diese Entwicklung bis ins 20. Jahrhundert. Werbung, Erinnerungsobjekte und populäre Bildwelten zeigen, wie eng Emotion, Konsum und kollektive Erinnerung miteinander verknüpft sind.
Dabei wird auch der Blick auf die Pop Art gelenkt: Während der Kitsch des 19. Jahrhunderts häufig bestätigt, was gesellschaftlich gewünscht ist, arbeitet die Pop Art mit Distanz, Ironie und bewusster Übersteigerung. Künstler wie Christian Ludwig Attersee greifen die Bildsprache des Kitsches auf und machen sie selbst zum Thema.
Diese Spannungen spiegeln sich auch in der Präsentation: Eine dichte, an historische Salonhängungen erinnernde Inszenierung trifft auf szenografische Elemente aus der Theaterwelt. Realität und Inszenierung, Alltag und Bühne überlagern sich.

Die Ausstellung gibt keine Antwort, sondern sie stellt eine Frage: Wann wird Kitsch zur Kunst? Oder ist das, was wir als „zu schön“ empfinden, vielleicht genau deshalb so wirksam?

Ein „Mitdenk-Booklet“, das als Download auf der Homepage des Museums verfügbar ist, lädt Besucherinnen und Besucher ein, sich aktiv zu positionieren.


Diese Ausstellung wird nahezu vollständig durch den Verein der Freunde und Förderer des Museums getragen. Zusätzliche Unterstützung erhält das Projekt von der Sparkasse Passau.

Hans Zatzka, Vexierbild, um 1900, Öl auf Leinwand © Sammlung Klewan
Ernst Bosch, Waldnymphe und Rabe, um 1890, Öl auf Leinwand © Sammlung Klewan