Unter dem Namen „stART“ fördern die Professur für Kunstpädagogik und Visual Literacy sowie das Museum Moderner Kunst Wörlen Passau Absolventinnen und Absolventen der Kunstpädagogik an der Universität Passau. In der diesjährigen Ausstellung wird mit dem Zwischenspiel ein neues Format erprobt: Statt einer sind in diesem Jahr zwei Positionen junger Kunst zu entdecken. Mathilda Wenzl und Luisa Buddrus zeigen in Zwischenspiel im Dialog entwickelte multimediale Arbeiten, die leicht und verlockend und zugleich böse und irritierend sind. Am 28. November 2026 um 19 Uhr wird die Ausstellung in Anwesenheit der Künstlerinnen mit einer Performance eröffnet. Sie ist bis zum 14. März 2027 im Skulpturenraum des Museums Moderner Kunst Wörlen Passau zu sehen.
Für ihre erste gemeinsame institutionelle Ausstellung im Museum Moderner Kunst Wörlen Passau greifen Mathilda Wenzl und Luisa Buddrus gesellschaftliche Themen auf, die gerne verdrängt werden. In einer partizipativen Raum- und Videoinstallation kombiniert Luisa Buddrus feinsinnig die traditionell weiblich konnotierte Technik des Stickens mit häuslicher Gewalt: Hier symbolisierter biedermeierlicher Frieden und Harmonie, dort alltägliche Bedrohung Ein Video präsentiert die Künstlerin in einer Pose der Selbstverteidigung auf dem Rummelplatz.
Mathilda Wenzl versetzt sich selbst und ihr Publikum in den Rausch einer unbeschwerten zweiten Kindheit. Mit ihrer fiktiven Marke Kidilin – einer halluzinogenen Droge – zeigt sie das Zwischenspiel zwischen dem Wunsch nach Naivität und der Gefahr der Infantilisierung, zwischen Befreiung und Selbstentmündigung auf. Über die in den Arbeiten prominente Werbefigur Miss Kidilin stellt Wenzl die Frage: Führt die Sehnsucht nach Sorglosigkeit zu Befreiung oder lediglich eine neue Form der Abhängigkeit herbei?
Mit dem Projekt „stART“ fördern das Museum Moderner Kunst Wörlen und die Professur für Kunstpädagogik und Visual Literacy der Universität Passau seit 2013 Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Kunstpädagogik. Kuratiert wird die diesjährige Ausstellung von Professorin Dr. Barbara Lutz-Sterzenbach und dem Künstler T. Scharrenbroich. Christina Gerhardinger, Studentin der Kunstgeschichte und Journalistik unterstützt den Ausstellungsprozess und die Öffentlichkeitsarbeit.
Zu den Künstlerinnen
Mathilda Wenzl und Luisa Buddrus schlossen 2024 ihr Studium für Kunst im Lehramt an der Universität Passau ab. Mit einem Masterstudium an den Universitäten Augsburg und Leipzig spezialisierten sie sich anschließend auf die schulische und außerschulische Kunstpädagogik. Schon während des Studiums beteiligten sich Buddrus und Wenzl mit eigenen Arbeiten an Ausstellungen, beispielsweise an der Kunstnacht Passau; Buddrus auch in Zusammenarbeit mit dem studio12 Passau, Wenzl in der Galerie ArtActive.
Zuletzt entwickelte Buddrus als Stipendiatin bei den Radikalen Töchtern gUG in Leipzig das interdisziplinäre Aktionskunst-Projekt »FASCHO NOT FOUND«, das die Normalisierung von Faschismus im Alltag dokumentiert. Getragen von einem Interesse für sozialpolitische Konflikte und Kontroversen arbeitet Buddrus sensibel mit Raum und Materialien. Sie entwirft bizarre Szenarien sowie Gedankenspiele und schafft Landschaften der Ambivalenz und Provokation.
Wenzl war als Gastkünstlerin im Bildwerk Frauenau innerhalb des Aller.Land-Förderprogramms tätig und engagierte sich im beteiligungsorientierten Kulturprojekt DEMOKRATIE UNPLUGGED — KUNST FÜR ALLE am Sonderpädagogischen Förderzentrum Regen. Künstlerisch beschäftigt sie sich multimedial mit den verborgenen Prozessen innerer Wahrnehmung und Erfahrung und dem damit einhergehenden Einfluss auf das individuelle Erleben und Handeln.