Das Haus


MMK, Eingang Bräugasse (Foto: T. Scholz)


Das Museum Moderner Kunst - Wörlen befindet sich in einem Gebäude mit einer langen und bedeutenden Baugeschichte. Ende der 1980er Jahre wurde es denkmalgerecht restauriert und für den Museumsbetrieb ertüchtigt. Durch die aufwendige Sanierung des bis in das 12. Jahrhundert datierenden Gebäudekomplexes zählt das Museumsgebäude heute zu den am besten erhaltenen Baudenkmälern Passaus.


Treppenaufgang in den zweiten Stock (Foto: T. Scholz)

 

Historischer Abriss

Das heutige Anwesen Bräugasse 17 war vermutlich ein Priesterhaus des gegenüberliegenden ehemaligen Benediktinerinnenstifts Niedernburg, das um 740 entstanden ist. Das Haus beherbergte wahrscheinlich präbentierte Stiftskapläne, die für die Seelsorge der Nonnen zuständig, jedoch nicht im Kloster selbst untergebracht waren. Für eine Verbindung des Gebäudes zum Kloster sprechen diverse bauliche Befunde, wie das Vorhandensein eines heute vermauerten Verbindungsgangs zum Kloster sowie (aller Wahrscheinlichkeit nach) einer Kapelle.

Nachdem das Stift im Jahre 1807 im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurde, endete auch die Tätigkeit der Klosterpfarrer. Das Haus selbst befand sich wahrscheinlich schon seit 1767 (ganz oder teilweise) in privatem Besitz und erfuhr eine zum Teil herrschaftliche Ausstattung in den oberen Geschossen.

Nach 1870 wurde das Gebäude durch zahlreiche Umbauten zu Wohnungen umfunktioniert. Dieser Zustand hielt bis in die 1980er Jahre an. Durch die sorgfältige Restaurierung des Hauses in den Jahren 1988 - 1990 konnten die alten Raumstrukturen zurückgewonnen und die erhaltene historische Substanz sichtbar gemacht werden. Im Juni 1990 wurde der Gebäudekomplex seiner heutigen musealen Nutzung übergeben.

Auf dem Terrain des Museumsgebäudes befanden sich ursprünglich vier einzelne Häuser, die in ihren Grundmauern heute noch erhalten sind. Der heutige Haupteingang des Museums befindet sich im Bereich der früheren Durchfahrt, welche die vier Ursprungsbauten erschloss. Im heutigen Kassen- und Garderobenbereich befindet sich der älteste Gebäudeteil mit romanischen und spätromanischen Bauelementen. Die anderen drei Häuser stammen in ihrer Substanz aus gotischer Zeit. Die beiden vom Café Museum genutzten Räume in der rechten Gebäudehälfte sind mit Kreuzgratgewölben und einem oktogonalen Granitpfeiler ausgestattet. Der zur Donau gelegene Museumsraum wird durch ein auf vier Pfeilern ruhendes, zweischiffiges Kreuzgratgewölbe bestimmt. Bauliche Befunde und urkundliche Belege ließen die Vermutung aufkommen, dass es sich bei diesem Raum um eine Kapelle gehandelt haben könnte.


Blick in den ersten Stock  (Foto: T. Scholz)


Im ersten Stockwerk stammen die Deckenstuckierung sowie die beiden wuchtigen "Passauer Decken" (Bohlen-Balken-Decken mit Mitteltram, ausschließlich mit Holznägeln und -keilen verbunden) aus der Zeit des Barock. Vor allem in dieser Etage wird an den teilweise sehr dicken Mauern und den Höhenunterschieden zwischen den einzelnen Räumen das Zusammenwachsen des Gebäudes aus vier selbstständigen Häusern erlebbar.

In die oberen Etagen führt ein zentraler Treppenaufgang, der seinen Ursprung im Barock hatte. Ihre jetzige Ausformung erhielten Aufgang, Arkadengänge und Lichthof in klassizistischer Zeit. Der Lichthof stellt mit seiner hohen Laterne und dem verzierten Deckenspiegel das Herz des Hauses dar. Von den stuckierten Arkadenfluren führen zum Teil originale Barocktüren mit fein verzierten Renaissancebeschlägen in die einzelnen Ausstellungsräume, die in ihrer heutigen Erscheinung durch einen klassizistischen Umbau geprägt sind.


Blick in den zweiten Stock (Foto: T. Scholz)


Vom zweiten Stock führt eine Freitreppe in das ausgebaute Dachgeschoss mit seinen Verwaltungs- und Technikräumen. Diese Treppe ist als Neukonstruktion deutlich erkennbar, fügt sich mit ihren Baumaterialien aus eisernen Walzprofilen und einem längs durchgeschnittenen Hartholzstab jedoch harmonisch in die historische Bausubstanz ein.

Ist in den Innenräumen bis heute die Entstehung des Gebäudes aus vier Einzelhäusern spürbar, so präsentiert sich der mächtige Bau nach außen mit einer einheitlichen Fassade in feinem Renaissancestil, die aus dem Jahr 1559 datiert.